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Hitzesonde schrumpft kalte Schilddrüsenknoten um zwei Drittel

Berlin, April 2021 Sogenannte „kalte“ Schilddrüsenknoten lassen sich dauerhaft mit einer minimalinvasiven Hitzebehandlung verkleinern, der Radiofrequenzablation (RFA). Das zeigen Ergebnisse aus Korea, wo die Methode seit fünfzehn Jahren etabliert ist. Auch in Deutschland bestätigen Nuklearmediziner die Wirksamkeit des relativ neuen Verfahrens. „Wir streben bei kalten Knoten mit der RFA eine Volumenreduktion von 80 Prozent an“, sagt Dr. med. Ingo Janssen vom Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN). In Deutschland haben etwa 20 Millionen Menschen einen oder mehrere Schilddrüsenknoten.

Kalte Schilddrüsenknoten sind Areale, die nur noch wenige oder keine Hormone mehr bilden. „Wenn die Knoten Schluckbeschwerden oder ein Druckgefühl im Hals hervorrufen, ein bösartiger Tumor ausgeschlossen werden kann und die Knoten gut mit der Sonde zu erreichen sind, kommt eine RFA in Betracht“, erläutert Janssen. Für die Therapie führen Nuklearmediziner nach einer örtlichen Betäubung gezielt eine dünne Sonde unter Ultraschallkontrolle in den zu behandelnden Knoten ein. Durch hochfrequenten Wechselstrom erhitzt die Spitze der Sonde das erkrankte Gewebe auf Temperaturen von 60 bis 90 Grad und lässt es in den folgenden Wochen und Monaten schrumpfen.

Daten belegen, dass die Hitzesonde das Volumen kalter Schilddrüsenknoten im Durchschnitt um mehr als zwei Drittel reduzieren kann (1,2). Ingo Janssen führt wöchentlich drei bis vier RFA durch und bestätigt dieses Ergebnis. „Wir haben insgesamt etwa 200 Patienten mit der Hitzesonde behandelt und die Ergebnisse über mindestens zwölf Monate nachverfolgt“, sagt der niedergelassene Nuklearmediziner aus Berlin. „Ab einer Knotenreduktion von 50 Prozent sprechen wir von einer gelungenen RFA, 80 Prozent streben wir an.“ Die RFA erfolgt stationär, Krankenkassen übernehmen die Kosten. In Deutschland bieten bisher nur wenige Ärzte die Therapie mit der Hitzesonde an.

Grundsätzlich kann die RFA Schilddrüsenknoten bis Mandarinengröße beseitigen. „Die besten Ergebnisse erreichen wir bei Patienten mit mittelgroßen, teilweise zystisch durchbauten kalten Schilddrüsenknoten“, berichtet BDN-Experte Janssen. Zu den Vorteilen der Methode zählt, dass keine sichtbare Narbe zurückbleibt, keine Vollnarkose erforderlich ist und die Patienten sich schnell erholen. Zudem wird eine Unterfunktion nach dem Eingriff vermieden, da nur die erkrankten Zellen zerstört werden, das gesunde hormonproduzierende Gewebe hingegen erhalten bleibt. „Damit entfällt auch die lebenslange Einnahme von Hormonen, die nach einer Operation häufig notwendig wird“, so Janssen.

Eine Operation wird zwingend erforderlich, sobald es sich um bösartiges Gewebe handelt. Standardverfahren bei sogenannten „heißen“ Knoten – also hormonproduzierendem Gewebe – ist die Radiojodtherapie. „Sind die heißen Knoten gut mit der Hitzesonde zu erreichen, kommt auch hier die RFA in Frage“, so Janssen. „Für die Wahl der richtigen Therapie ist ein eingehendes Gespräch zwischen Arzt und Patient wichtig, bei dem Vor- und Nachteile von Operation, Radiojodtherapie oder Hitzebehandlung offen diskutiert werden.“

Quellen:

  1. Long-Term Efficacy of a Single Session of RFA for Benign Thyroid Nodules: A Longitudinal 5-Year Observational Study. Deandrea M, Trimboli P, Garino F, Mormile A, Magliona G, Ramunni MJ, Giovanella L, Limone PP. J Clin Endocrinol Metab. 2019 Sep 1;104(9):3751-3756. doi: 10.1210/jc.2018-02808.
  2. Radiofrequency ablation of benign thyroid nodules: safety and imaging follow-up in 236 patients. Jeong WK, Baek JH, Rhim H, Kim YS, Kwak MS, Jeong HJ, Lee D. Eur Radiol. 2008 Jun;18(6):1244-50. doi: 10.1007/s00330-008-0880-6. Epub 2008 Feb 20.

Kontakt:
Kerstin Ullrich
Pressestelle
Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart

Fon +49 711 8931-641
Fax +49 711 8931-176
ullrich@medizinkommunikation.org