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Maximale Sicherheit in der Nuklearmedizin

Neues Strahlenschutzgesetz

Berlin, 14. Mai 2019 – Von der Schilddrüse über Herz und Brust bis zur Prostata: In Deutschland finden in der Nuklearmedizin jährlich über drei Millionen Untersuchungen und Therapien statt. Das neue Strahlenschutzgesetz, das zum Beginn des Jahres in Kraft getreten ist, betont nochmals stärker, vor jeder Untersuchung oder Behandlung gewissenhaft zu entscheiden, ob die jeweilige Anwendung gerechtfertigt ist. Zudem ist jetzt auch rechtlich verankert, dass Patienten erst entlassen werden dürfen, wenn die Strahlendosis für Dritte nicht mehr als ein Millisievert beträgt. „Die Nuklearmedizin war schon immer streng überwacht, nun ist ein Höchstmaß an Sicherheit für Patienten und Angehörige garantiert“, erklärte Professor Dr. med. Detlef Moka, 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN), auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Die Nuklearmedizin nutzt schwach radioaktiv markierte Substanzen – sogenannte „Tracer“ –,
um Krankheiten sichtbar zu machen und zu behandeln. Dazu gehören Tumorerkrankungen,
aber auch Krankheiten des Herzens und der Schilddrüse. Aufgrund ihrer geringen
Konzentration haben die radioaktiven Tracer in der Regel weder pharmakologische noch
toxische Nebenwirkungen. „Dennoch liegt natürlich auch eine generelle Strahlenbelastung
des Patienten, des beteiligten Arztes mit seinen Mitarbeitern und der Umwelt vor“, erläutert
Moka. Aus diesem Grund muss der Einsatz radioaktiver Tracer von einem fachkundigen Arzt
genau abgewogen werden. Dies gibt das neue Strahlenschutzgesetz vor – zuvor war der
Strahlenschutz in Verordnungen geregelt und im Atomgesetz verortet.

Nutzen-Risiko-Entscheidung vor jeder Untersuchung und Behandlung
Mit dem neuen, eigenständigen Gesetz und der darauf basierenden neuen
Strahlenschutzverordnung wurden die bisherigen Verordnungen außer Kraft gesetzt. Deren
Inhalte wurden zwar weitgehend übernommen. Aber: „Die Novelle hebt nochmals stärker die
Notwendigkeit hervor, vor der Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung
die rechtfertigende Indikation zu stellen“, erläuterte Dr. Goli-Schabnam Akbarian, Leiterin des
Referats „Strahlenschutzrecht; ionisierende Strahlung“ beim Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Bonn. „Ein im Strahlenschutz speziell
ausgebildeter Arzt muss vor jeder Untersuchung oder Behandlung entscheiden, ob die
Anwendung gerechtfertigt ist, also der Nutzen für den Patienten höher ist als das Risiko“,
ergänzte Dr. Birgit Keller, Leiterin des Referats „Anwendung ionisierender Strahlung am
Menschen; nichtionisierende Strahlung“ am BMU.

Ärztliche Entscheidungen, Untersuchungsqualität und Befunde werden überprüft
Wie schon vor dem neuen Gesetz werden diese Entscheidungen auch künftig weiterhin alle
zwei Jahre in allen nuklearmedizinischen Klinikabteilungen und Praxen durch die Ärztliche
Stelle Strahlenschutz überprüft, die den jeweils zuständigen Landesministerien untersteht.
„Bei den Prüfungen müssen die nuklearmedizinisch tätigen Ärzte nachweisen, dass für ihre
diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen eine ausreichende rechtfertigende
Indikation vorlag, die Untersuchung technisch einwandfrei und der daraus resultierende
Befund medizinisch richtig war“, erklärt BDN-Vorsitzender Moka. Auch wird überprüft, ob die
eingesetzte Menge an Radioaktivität beziehungsweise die dadurch resultierende
Strahlenbelastung des Patienten den gesetzlichen Vorgaben entsprach, dem Krankheitsbild
angemessen war und ob die technische Ausstattung ausreichend modern ist.

Bei schwerwiegenden Verstößen droht Meldung an die Behörden
Sollten bei den Überprüfungen Verstöße festgestellt werden, erfolgt eine Beratung der
betroffenen Ärzte mit Auflagen zur Verbesserung und womöglich kurzfristiger erneuter
Überprüfung. Bei schwerwiegenden Verstößen mit Auswirkungen auf die Patientensicherheit
oder die Umwelt kann es sogar zu einer sofortigen Mitteilung an die zuständige
Bezirksregierung oder das Landesministerium kommen. Insgesamt stelle das
Strahlenschutzgesetz sicher, so Moka, dass nur noch zwingend notwendige Untersuchungen
stattfinden: „Damit ist das Gesetz ein wichtiger Beitrag zur Patientensicherheit.“

Schutz vor Strahlung für Angehörige und Dritte jetzt rechtlich verankert
Zu den neuen Regelungen des novellierten Strahlenschutzgesetzes zählen schriftliche
Arbeitsanweisungen für alle Untersuchungen und Behandlungen sowie eine Risikoanalyse
zur Gefahr unbeabsichtigter Exposition der behandelten Person etwa vor dem erstmaligen
Einsatz radioaktiver Strahlung. Ebenfalls wichtig: War früher der Strahlenschutz von
Angehörigen und Dritten eine Richtlinie, so ist er jetzt erstmals rechtlich verankert. „Patienten
dürfen erst entlassen werden, wenn sie nicht mehr Strahlendosis als ein Millisievert an
Angehörige oder Dritte abgeben können“, so Keller. „Dies gilt auch für alle neuen Therapien.“
Unbeabsichtigte Strahlenbelastungen müssen darüber hinaus als bedeutsames Vorkommnis
an die zuständige Strahlenschutzbehörde gemeldet werden.

International hoher Sicherheitsstandard in Deutschland
„Insgesamt festigen und unterstützen die neuen Regelungen den hohen Sicherheitsstandard
im Strahlenschutz, den wir in Deutschland haben – auch im internationalen Vergleich“,
betonte Birgit Keller.

Kontakt:
Kerstin Ullrich
Pressestelle
Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Fon +49 711 8931-641
Fax +49 711 8931-176
ullrich@medizinkommunikation.org