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Neue Studien warnen vor Demenz, Schlaganfall und Herztod:

Schon leicht erhöhte Schilddrüsenwerte sind gefährlich

Berlin – Eine Überfunktion der Schilddrüse erhöht das Risiko auf Schlaganfall oder Herzstillstand. Auch eine Demenz ist möglich. Nach aktuellen Studien sind bereits Menschen mit leicht erhöhten Hormonwerten gefährdet, die bisher als unbedenklich galten. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) rät Menschen mit einer Vergrößerung der Schilddrüse deshalb zu einem Hormon-Check.

Die Hormone der Schilddrüse bestimmen die Betriebstemperatur des Stoffwechsels. Bei einem Mangel kommt es zu Abgeschlagenheit, Gedächtnisschwäche, depressiven Verstimmungen, Haarausfall, Verstopfung und Gewichtszunahme. Eine Überfunktion geht mit übermäßigem Schwitzen, Ruhelosigkeit und Durchfällen einher. Der Blutdruck steigt, der Herzschlag beschleunigt und bei einigen Menschen kommt es zu Herzrhythmusstörungen. „Die Risiken für Herz und Kreislauf sind bekannt, weshalb allen Menschen mit Überfunktion dringend zu einer Behandlung geraten wird“, sagt der BDN-Vorsitzende Professor Dr. med. Detlef Moka.

Wann genau eine Überfunktion der Schilddrüse vorliegt, ist auch unter Experten umstritten. Als Gradmesser gilt die Konzentration des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH). Es wird von der Hirnanhangdrüse gebildet und steigert in der Schilddrüse die Produktion des Hormons T4. Zwischen beiden Hormonen existiert eine negative Rückkoppelung: Ein Anstieg von T4 bremst die Ausschüttung von TSH. Ein niedriges TSH weist deshalb auf eine Überfunktion der Schilddrüse hin. Bisher galten beim Erwachsenen TSH-Werte bis 4,0 mU/l als sicher. Doch neue Untersuchungsergebnisse aus den Niederlanden lassen hieran Zweifel aufkommen.

Dr. med. Layal Chaker von der Erasmus Universität in Rotterdam hat die Daten von 10.318 Einwohnern ausgewertet, die im Rahmen der Rotterdam Studie regelmäßig beobachtet werden. In den ersten neun Jahren starben 261 Teilnehmer an einem plötzlichen Herztod, der in der Regel Folge einer Herzrhythmusstörung ist. „Darunter waren auffällig viele Menschen mit leicht niedrigen TSH-Werten“, erläutert Moka. „Diese Personen haben noch keine Symptome einer Überfunktion, auch die T4-Werte liegen noch im Normalbereich. Wir sprechen deshalb von einer latenten Überfunktion.“

Nach den Ergebnissen, die Chaker in der Fachzeitschrift Circulation veröffentlichte, haben Menschen mit latenter Überfunktion ein um den Faktor 2,5 erhöhtes Risiko auf einen plötzlichen Herztod. „Das Risiko, innerhalb von zehn Jahren einen plötzlichen Herztod zu erleiden, lag bei nicht weniger als vier Prozent“, berichtet Moka. In einer weiteren Untersuchung im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism berichtet Chaker, dass auch das Schlaganfallrisiko erhöht ist, und vor wenigen Tagen teilte die Forscherin in Neurology mit, dass Menschen mit latenter Überfunktion im Alter auch häufiger an einer Demenz erkranken.

Auch wenn die Studie nicht beweisen kann, dass eine Behandlung das Risiko der Betroffenen vermindert – dies müsste in einer weiteren Studie gezeigt werden –, sind die Ergebnisse für BDN-Experte Moka aus zwei Gründen besorgniserregend. „Zum einen müssen wir überlegen, wie Menschen mit latenter Überfunktion der Schilddrüse besser geschützt werden können“, sagt der Nuklearmediziner. „Dazu sollte jetzt dringend eine umfassende Studie durchgeführt werden, die den Wert einer Behandlung prüft.“ Konsequenzen dürften die Erkenntnisse aber auch für Menschen haben, die wegen einer Unterfunktion mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden. „Die meisten Ärzte streben einen TSH-Wert an, der einer latenten Überfunktion entspricht. Dazu kann nicht mehr geraten werden“, so Moka.

Funktionstests der Schilddrüse sind ein wichtiges Einsatzgebiet von Nuklearmedizinern. Mit der Szintigraphie können sie klären, ob Knoten in der Schilddrüse für eine Überfunktion verantwortlich sind. Die Behandlung kann dann mit radioaktiv markiertem Jod erfolgen, das sich in der Schilddrüse anreichert und die Hormonbildung auf Dauer unterdrückt.

Literatur:
•    Chaker L, van den Berg ME, Niemeijer MN et al. Thyroid Function and Sudden Cardiac Death: A Prospective Population-Based Cohort Study. Circulation. 2016 Sep 6;134(10):713-22. doi: 10.1161
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27601558
•    Chaker L, Baumgartner C, den Elzen WP et al. Thyroid Function within the Reference Range and the Risk of Stroke: An Individual Participant Data Analysis. J Clin Endocrinol Metab. 2016 Sep 7:jc20162255.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27603906
•    Chaker L, Wolters FJ, Bos D et al. Thyroid function and the risk of dementia: The Rotterdam Study. Neurology. 2016 Oct 18;87(16):1688-1695
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27638924

Kontakt:
Kerstin Ullrich
Pressestelle
Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart

Fon +49 711 8931-641
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