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Engpässe bei Radionukliden

BDN: Patientinnen und Patienten müssen sich auf längere Wartezeiten in der Nuklearmedizin einstellen

Berlin, November 2022 – Weltweit sechs Forschungsreaktoren produzieren Radionuklide, die für die nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie notwendig sind. Durch einen technischen Ausfall des belgischen Forschungsreaktors, der mit Wartungsarbeiten in den anderen Kernreaktoren zusammenfällt, droht jetzt im November ein kurzfristiger Engpass bei den Radionukliden. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) weist darauf hin, dass sich Patientinnen und Patienten in Deutschland vorübergehend auf Terminverschiebungen und längere Wartezeiten in der Nuklearmedizin einstellen müssen.

Die sechs Forschungsreaktoren stehen in Tschechien, Polen, Australien, Südafrika, in den Niederlanden und Belgien. Für die Energieversorgung spielen sie keine Rolle. „Aber ihre Bedeutung für die Nuklearmedizin und damit für die Patientenversorgung ist groß“, erklärt der BDN-Vorsitzende Professor Dr. med. Detlef Moka. „Denn die Reaktoren sind die einzige Quelle für bestimmte Radionuklide – radioaktiv strahlende Elemente also –, die für die nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie dringend benötigt werden.“ Nuklearmedizinerinnen und Nuklearmediziner nutzen bei bis zu 80 Prozent ihrer Untersuchungen das Radionuklid Technetium-99 (Tc-99m), das als Zerfallsprodukt aus dem Radionuklid Molybdän-99 (Mo-99) gewonnen wird.

Aufgrund technischer Probleme kam es jetzt zu einem Ausfall des belgischen Forschungsreaktors in Mol. „Ungünstiger Weise befinden sich alle weiteren europäischen Kernreaktoren wegen Wartungsarbeiten ebenfalls außer Betrieb“, so Moka. Zwar liefen weltweite Anstrengungen, Engpässe bei den Radionukliden zu vermeiden. „Beispielsweise sollen der australische und der südafrikanische Reaktor nun verstärkt arbeiten“, berichtet der Nuklearmediziner. „Dennoch werden wir im November vermutlich für mindestens eine Woche ohne Radionuklide dastehen“, prognostiziert Moka und fügt hinzu: „Das bedeutet, dass sich Patientinnen und Patienten in der Nuklearmedizin vorübergehend auf Terminverschiebungen und längere Wartezeiten einstellen müssen.“

Allein in Deutschland finden wöchentlich etwa 60 000 Untersuchungen mit Tc-99m statt, weltweit sind es über 30 Millionen Untersuchungen jährlich. „Bei einer Vielzahl von Krebsarten gilt eine detaillierte nuklearmedizinische Diagnostik heute als wichtige Voraussetzung für die Therapieplanung, etwa durch Ausschluss oder Nachweis von Metastasen“, sagt Moka. So werde etwa bei Brustkrebs-Patientinnen der so genannte Wächter-Lymphknoten per Tc-99m-Szintigraphie dargestellt. Mithilfe des kurzlebigen Radionuklids könne auch die Funktion von Organen wie Schilddrüse, Lunge, Niere, Galle oder Leber untersucht werden. Besondere Bedeutung hat Tc-99m darüber hinaus in der Diagnostik der Alzheimer-Krankheit, bei Herzerkrankungen, sowie in der Schlaganfall- oder Thrombose-Diagnostik.

Wegen ihrer Bedeutung für die Nuklearmedizin stimmen die Mo-99-produzierenden Anlagen ihre Aktivitäten eng aufeinander ab. Die regelmäßig notwendigen Wartungsarbeiten und selbst ungeplante Ausfälle sollten eigentlich keine Versorgungslücken reißen. „Doch die beiden wichtigsten Anlagen in Belgien und den Niederlanden sind bereits 60 Jahre alt, und die technischen Probleme häufen sich“, sagt Moka. Bereits Anfang des Jahres sei der niederländische Reaktor für mehrere Wochen ausgefallen, nun gebe es in Belgien ein technisches Problem. „Es wäre im Sinne der medizinischen Versorgung dringend notwendig, eine weitere Anlage in Betrieb zu nehmen“, betont Moka.

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Kontakt:
Kerstin Ullrich
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