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Tumoren auf der Spur:

Nuklearmediziner fordern flächendeckenden Einsatz von PET/CT

Experten des BDN diskutieren auf ihrer 54. Jahrestagung vom 18. bis 19. September über den Ausbau des Verfahrens

Berlin, September 2026 – Ob zur Erkennung und Beurteilung von Tumorerkrankungen, zur Entzündungsdiagnostik oder zur Diagnose von Hirnerkrankungen wie Alzheimer: Die PET/CT (Positronen-Emissions-Tomographie) verbindet funktionelle und anatomische Bildgebung und hat sich zu einem wichtigen Verfahren der Medizin entwickelt. Für den Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) ist PET/CT längst kein Zukunftsprojekt mehr, sondern etablierter medizinischer Standard. Nun sollte die Versorgung möglichst schnell auch flächendeckend in Deutschland ausgebaut werden – fordern Experten des BDN auf ihrer 54. Jahrestagung. Die Tagung findet vom morgigen Freitag, den 18. bis Samstag, den 19. September unter dem Motto „Nuklearmedizin im Wandel. Herausforderungen verstehen, um Zukunft zu gestalten“ in Berlin statt.

„Bei dem PET/CT-Verfahren werden dem Patienten radioaktiv markierten Traubenzucker oder vergleichbare Substanzen – die sogenannten „Tracer“ – vor der Untersuchung über eine Vene in die Blutbahn gespritzt“, erläutert Professor Dr. Andrei Todica, Facharzt für Nuklearmedizin aus München. „Die radioaktiv markierte Glukose (Fluor-18-FDG) reichert sich an Körperstellen mit hoher Stoffwechselaktivität an.“ Der PET-Scanner erfasse so die unterschiedliche radioaktive Strahlung und verarbeitet sie zu Schnittbildern. „Da Tumore und Metastasen meist einen anderen Energiestoffwechsel als gesundes Gewebe haben, lassen sich krankhafte Veränderungen auf den PET-Bildern somit gut erkennen,“ betont der BDN-Experte.  „Besonders hervorzuheben ist die PSMA-PET/CT beim Prostatakarzinom: Hier kommen spezifischere Tracer zum Einsatz, die an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) binden und so selbst kleinste Metastasen mit hoher Präzision sichtbar machen“, ergänzt Todica. „Dies hat die Diagnostik und Therapieplanung beim Prostatakarzinom in den letzten Jahren revolutioniert.“

„Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob PET/CT Bestandteil einer modernen nuklearmedizinischen Versorgung sein soll, sondern wie wir die Technologie in die Breite bekommen“, sagt Todica. „Eine zukunftsfähige nuklearmedizinische Praxis wird einen erheblichen Schwerpunkt auf PET/CT legen müssen, um die Anforderungen an eine moderne onkologische Diagnostik abbilden zu können.“

Hohe Investitionen, komplexe Abrechnung

Der Weg in die ambulante Versorgung ist allerdings mit erheblichen Hürden verbunden. Todica sieht als Gründe dafür vor allem drei zentrale Faktoren: Investitionskosten, Abrechnungskomplexität und die eingeschränkte Kostenerstattung. „Die Anschaffung eines PET/CT kann derzeit etwa Investitionen von zwei bis drei Millionen Euro erfordern“, erläutert der BDN-Experte. Gleichzeitig sind die Abrechnungsmöglichkeiten in der vertragsärztlichen Versorgung für medizinisch relevante Indikationen komplex. Der aktuelle Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) - der offizielle Gebührenordnungskatalog für Fachärzte und Psychotherapeuten in Deutschland - sieht PET-Leistungen derzeit unter anderem für bestimmte onkologische Indikationen und für Untersuchungen im Zusammenhang mit nuklearmedizinischen Therapien vor. „Ein Großteil der Untersuchungen kann nur über die ambulante spezialfachärztliche Versorgung abgerechnet werden. In der Praxis stellt sich deshalb nicht nur die medizinische, sondern auch die wirtschaftliche Frage“, so Todica. Als grobe Größenordnung habe sich eine Auslastung von etwa 800 bis 1.200 Untersuchungen pro Jahr als Schwelle für die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines PET/CT-Gerätes herauskristallisiert. „Das ist natürlich für kleine Praxen undenkbar, deshalb können für diese beispielsweise Kooperationen mit anderen Praxen ein sinnvoller Weg sein. Zusätzliche Unsicherheit schafft das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG), das eine Überprüfung der technischen Leistungsanteile im EBM mit einem möglichen Kürzungspotenzial von 20 bis 30 Prozent vorsieht. Der BDN warnt, dass dadurch die Wirtschaftlichkeit der PET/CT und notwendige Investitionen gefährdet werden könnten, und fordert eine realistische Berücksichtigung der tatsächlichen Kosten.

Fachkräftemangel als zentrales Problem

Nicht nur wirtschaftliche Faktoren, sondern auch der Fachkräftemangel bei Medizinischen Technologinnen und Technologen für Radiologie steht einer bundesweiten Ausweitung der PET/CT-Versorgung derzeit im Wege. „Hier besteht derzeit in Deutschland bereits ein starker Engpass“, betont der BDN-Experte. Der Berufsverband sieht deshalb unter anderem eine schnellere Anerkennung ausländischer Qualifikationen, mehr Ausbildungskapazitäten und eine stärkere Automatisierung von Routineprozessen als notwendig an.

BDN fordert verlässliche Rahmenbedingungen

Auf ihrer diesjährigen Jahrestagung diskutieren Expertinnen und Experten des BDN deshalb neben medizinischen Innovationen ausdrücklich auch die strukturellen und gesundheitspolitischen Voraussetzungen der ambulanten Nuklearmedizin. „Da das moderne PET/CT-Verfahren unbedingt flächendeckend in Deutschland etabliert werden sollte, dürfen Abrechnungswege nicht zu komplex werden – die Versorgung darf nicht an regionalen Versorgungslücken scheitern“, so Todica abschließend. 

 

Nähere Informationen zur 54. Jahrestagung des BDN

https://www.berufsverband-nuklearmedizin.de/service/aktuelles/meldung/news/54-jahrestagung-bdn-berlin/

- Bei Veröffentlichung Beleg erbeten -

 Friederike Gehlenborg
Pressestelle
Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) 
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