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Angina pectoris

Myokardszintigrafie macht Durchblutungsstörungen auch in den kleinen Herzgefäßen sichtbar

Berlin, Juni 2021 – Eine Angina pectoris macht sich durch Herzbeschwerden wie Luftnot oder Engegefühl im Brustkorb bemerkbar. Eine neue Meta-Analyse aus den Niederlanden zeigt jetzt: Ein Drittel der Patientinnen und Patienten mit diesen Symptomen leidet unter Durchblutungsstörungen der kleinen Herzgefäße, auch mikrovaskuläre Angina (MVA) genannt. Die MVA bliebe jedoch oft unentdeckt, weil die CT-Angiographie oder die Herzkatheter-Untersuchung nur kritische Engstellen in den größeren Arterien finden können, stellen die Studienautoren fest. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) rät daher bei anhaltenden Symptomen und normaler CT-Angiographie oder Herzkatheter-Untersuchung zu einer Myokardszintigrafie, um eventuelle Durchblutungsstörungen in den kleinsten Herzgefäßen sichtbar zu machen. Eine MVA muss diagnostiziert und behandelt werden, denn sie kann bis zum Herztod führen.

 

Wenn plötzlich Schmerzen im Brustkorb auftreten, kann eine Angina pectoris die Ursache sein. Ausgelöst wird die Herzerkrankung meist durch einen Sauerstoffmangel des Herzens, der von einer Verkalkung der Arterien herrührt. Um den Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung abzuklären, wird bei solchen Beschwerden eine Reihe von Untersuchungen veranlasst, die vom Belastungs-EKG über eine CT-Angiographie bis hin zu einer Herzkatheter-Untersuchung führen können. Findet man keine relevante Engstelle in den größeren Herzgefäßen, die als bedeutsam für eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Organs angesehen wird, gilt der Befund als unauffällig („Ausschluss-KHK“).

 

Herzkatheter negativ, Myokardszintigrafie positiv

 

Dennoch gibt es Patienten, die trotz der Entwarnung weiterhin unter Beschwerden wie einem Engegefühl im Brustkorb oder Müdigkeit leiden. „Auf diese Patienten richtet sich seit einigen Jahren verstärkt das Augenmerk der Forschung“, erläutert der BDN-Vorsitzende Professor Dr. med. Detlef Moka. Denn auch Veränderungen in den kleinen und kleinsten Herzgefäßen wird mittlerweile ein Krankheitswert zuerkannt, obwohl die Zusammenhänge noch nicht genau erforscht sind: Experten sprechen bei diesem Syndrom von einer mikrovaskulären Angina (MVA). In der nuklearmedizinischen Bildgebung des Herzens, der Myokardszintigrafie, sind die Auswirkungen dieser Veränderungen sicht- und messbar. „Wir erleben nicht selten, dass bei einer Herzkatheter-Untersuchung keine Engstellen gefunden werden, wir aber bei der Myokardszintigrafie eine sichere Durchblutungsstörung feststellen“, sagt BDN-Experte Professor Dr. med. Sigmund Silber, niedergelassener Kardiologe aus München mit Fachkunde Nuklearkardiologie. Die Myokardszintigrafie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

 

Frauen doppelt so häufig wie Männer betroffen

 

Wie häufig eine MVA vorkommt, belegt jetzt eine neue Übersichtsarbeit aus den Niederlanden (1). Die Forscher werteten insgesamt 20 Studien aus, in denen Betroffene mit Herzbeschwerden untersucht worden waren. Ergebnis: Sie fanden bei durchschnittlich 30 Prozent der Patientinnen und Patienten, bei denen in der CT-Angiographie oder im Herzkatheter keine Engstelle gesehen wurde, eine gesicherte MVA. Als gesichert galt eine MVA, wenn das Belastungs-EKG positiv war und weitere Diagnostik wie Acetylcholin-Test, Koronarflussreserve oder transthorakale Doppler-Echokardiografie auf eine beeinträchtigte Funktion der kleinen Herzgefäße hinwies. Weiteres wichtiges Resultat der Meta-Studie: Frauen waren von der MVA mehr als doppelt so häufig wie Männer betroffen. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch die vielbeachtete ISCHEMIA-Studie (2).

 

Die Resultate sollten Anlass sein, schlussfolgern die niederländischen Wissenschaftler, die zugrunde liegenden Mechanismen der MVA weiter zu erforschen und zugleich bei Patientinnen und Patienten ohne sichtbare Engstelle mit weiteren diagnostischen Verfahren nach einer MVA zu suchen. „Die Myokardszintigrafie ist empfindlich und präzise genug, dies zu leisten, sofern sie unter hohem Qualitätsstandard erfolgt und Fehlerquellen ausschließt“, betont Silber. MVA-Patienten bedürfen ärztlicher Kontrolle und Behandlung, da sie einem erhöhten Risiko unter anderem für Herzinfarkt und Schlaganfall ausgesetzt sind; eine MVA beeinträchtigt zudem die Lebensqualität und geht mit erheblichen Gesundheitsausgaben etwa durch Klinikaufenthalte einher. Eine medikamentöse Therapie verbessert Behandlungsergebnisse und Lebensqualität bei MVA, belegt eine weitere Studie (3). Das Consensus-Papier der European Society of Cardiology konstatiert aus diesen Gründen großen Handlungsbedarf in Bezug auf Diagnostik und Therapie der MVA (4).

 

Bei Abdruck Beleg erbeten

 

Quellen:

  1. Aribas E, van Lennep JER, Elias-Smale SE, Piek JJ, Roos M, Ahmadizar F, Arshi B, Duncker DJ, Appelman Y, Kavousi M. Prevalence of microvascular angina among patients with stable symptoms in the absence of obstructive coronary artery disease: a systematic review. Cardiovasc Res. 2021 Mar 2:cvab061. doi: 10.1093/cvr/cvab061. Epub ahead of print. PMID: 33677526.
  2. ISCHEMIA Research Group. N Engl J Med 2020; 382: 1395-1407; DOI: 10.1056/NEJMoa1915922
  3. Ford TJ, Stanley B, Good R, Rocchiccioli P, McEntegart M, Watkins S, Eteiba H, Shaukat A, Lindsay M, Robertson K, Hood S, McGeoch R, McDade R, Yii E, Sidik N, McCartney P, Corcoran D, Collison D, Rush C, McConnachie A, Touyz RM, Oldroyd KG, Berry C. Stratified Medical Therapy Using Invasive Coronary Function Testing in Angina: The CorMicA Trial. Journal of the American College of Cardiology 2018;72:2841-2855.
  4. Kunadian V, Chieffo A, Camici PG, Berry C, Escaned J, Maas AHEM, Prescott E, Karam N, Appelman Y, Fraccaro C, Buchanan GL, Manzo-Silberman S, Al-Lamee R, Regar E, Lansky A, Abbott JD, Badimon L, Duncker DJ, Mehran R, Capodanno D, Baumbach A. An EAPCI Expert Consensus Document on Ischaemia with Non-Obstructive Coronary Arteries in Collaboration with European Society of Cardiology Working Group on Coronary Pathophysiology & Microcirculation Endorsed by Coronary Vasomotor Disorders International Study Group. EuroIntervention. 2021 Jan 20;16(13):1049-1069. doi: 10.4244/EIJY20M07_01. PMID: 32624456.

Kontakt:
Kerstin Ullrich
Pressestelle
Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.
Postfach 30 11 20
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Fon +49 711 8931-641
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